Gesamtkonzept zur regionalen Schulöffnung

Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Landshut, Dr. Tanja Hochegger und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich

Im zweiten Lockdown nahm der Bedarf an Notfallambulanzen bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu. Auch für Niederbayern wird dieser bundesweite Trend von Dr. Tanja Hochegger, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Landshut, bestätigt. Hier handelt es sich um junge Patienten, die aufgrund der Dringlichkeit ihrer Probleme noch am Tag der Kontaktaufnahme eine ambulante Unterstützung benötigen. Durch fehlende Tagestruktur und soziale Isolation führt dies oft zu einer erheblichen Belastung des gesamten Familiensystems.

Hochegger stellt fest: „Die Angebote der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) des Bezirks Niederbayern werden deutlich dringlicher und intensiver in Anspruch genommen, was sich negativ auf die Wartelisten und längerfristige therapeutische Behandlungsmöglichkeiten auswirkt.“ Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich sieht den fehlenden Schulbesuch durch den Lockdown ursächlich für die Zunahme der Beschwerden bei Kinder und Jugendlichen und wirbt deshalb für ein Pilotmodell zur schnellstmöglichen regionalen Schulöffnungen. „Kinder und Jugendliche kommen spürbar und überdeutlich an ihre Grenzen, das meldet uns die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks. Wir sollten dringlich alle möglichen Schritte in die Wege leiten, um den Schulbesuch schnellstens zu ermöglichen. Dafür brauchen wir seriös, wissenschaftlich geplante Pilotstudien in Gebieten mit hoher Inzidenz “, so der Bezirkstagspräsident. „Die Familien sind am Limit. Nach Monaten des Distanzunterrichts muss das Ziel sein, die Kinder sicher im Präsenzunterricht zu beschulen. Das ist bei einem durchdachten Testkonzept machbar“, so Olaf Heinrich.

Pilotmodell „Sichere Schulen im ländlichen Raum“ entwickelt

Das Pilotmodell „Sichere Schulen im ländlichen Raum“ ist eine Initiative des Bezirks Niederbayern gemeinsam mit dem Kinder- und Familiengesundheitsnetzwerk Ostbayern, dem Landkreis Cham und den Grenzlandkreisen Freyung-Grafenau, Regen und Passau und wurde mit wissenschaftlicher Begleitung von Prof. Dr. med. Matthias Keller (Ärztlicher Direktor Kinderklinik Dritter Orden Passau) in Abstimmung mit Prof. Dr. med. Michael Kabesch (Klinikleiter Pädiatrische Pneumologie und Allergologe, Barmherzige Brüder St. Hedwig Regensburg) entwickelt. Ziel des Pilotmodells ist die schnellstmögliche Einführung eines Gesamtkonzeptes zur Sicherstellung eines regelhaften und planbaren Schulbetriebs, der individuelle Gesundheitsschutz und die Pandemiekontrolle.

Die weitere Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten und Landrätin aus Regen, Rita Röhrl betont: „Den Kindern fehlt der regelmäßige Umgang mit den Gleichaltrigen noch dazu, weil auch private Treffen nahezu unmöglich sind. Es geht nicht nur um die Vermittlung von Lerninhalten, sondern auch um den sozialen Aspekt. Eine Logik kann ich in der Bestimmung ohne Teststrategie in Landkreisen unter der Inzidenz von 100 zu öffnen und über 100 zu schließen einfach nicht erkennen“.

Minister zeigten sich offen für das Gesamtkonzept

Die Initiative hat sich mit dem Gesamtkonzept des Pilotmodells direkt an das Gesundheitsministerium und an das Kultusministerium gewandt.  „Die beteiligten Regionen haben mit wissenschaftlicher Begleitung ein detailliertes Konzept ausgearbeitet. Bei Erfolg kann dies auch auf weitere Regionen ausgedehnt werden. Gesundheits- und Kultusminister stehen unseren Vorschlägen grundsätzlich positiv gegenüber.“, so Bezirkstagspräsident Heinrich. -md-

15.03.2021